Aufgaben in der Trauerarbeit (Worden)

 

I: Verstehen: Den Verlust als Realität akzeptieren

II: Affektregulierung: den Schmerz verarbeiten

III: Anpassung: Sich an eine Welt ohne die verstorbene Person anpassen

IV: Eine dauerhafte Verbindung zu der verstorbenen Person inmitten des Aufbruchs in ein neues Leben finden

 

Anhaltende komplexe Trauerreaktion

Gelingt die Verarbeitung eines Verlustes nicht, kann der Trauerprozess in eine pathologische Trauerreaktion münden, die durch das Steckenbleiben bzw. Verharren im Trauerprozess gekennzeichnet ist. Sie unterscheidet sich von der normalen Trauer sowohl durch die Intensität als auch die Qualität und Dauer der Trauersymptome. Dadurch kommt es zu einer pathologischen Symptomatik und Einschränkungen in verschiedenen Lebensbereichen.

 

Etwa 10 % aller Betroffenen entwickeln eine komplexe Trauerreaktion, davon haben 50% zusätzlich eine Depression, 40% Angststörungen und 40% eine PTBS. Ist ein Kind verstorben, entwickeln 59% der Eltern eine komplizierte Trauer.

Auch ein erhöhtes Suizidrisiko geht mit einer komplizierten Trauer einher.

 

Trauernde, welche die Diagnosekriterien einer anhaltenden, komplexen Trauerreaktion (DSM-V) NICHT erfüllen, bedürfen KEINER psychologischen Intervention. Im Gegenteil – diese können den normalen Trauerprozess negativ beeinflussen!

 

DSM V: Diagnosekriterien einer anhaltenden komplexen Trauerreaktion

 

A: die Person ist vom Tod eines Menschen, zu dem eine enge Beziehung bestanden hat, betroffen.

 

B: seit dem Todesfall tritt an mehr als der Hälfte der Tage mindestens eines der folgenden Symptome in klinisch bedeutsamer Ausprägung auf. Es besteht bei hinterbliebenen Erwachsenen für mindestens 12 Monate und bei hinterbliebenen Kindern für mindestens 6 Monate fort:

§ 1. Fortbestehende Sehnsucht / Verlangen nach dem Verstorbenen

§ 2. Intensive Sorge und emotionaler Schmerz als Reaktion auf den Todesfall

§ 3. Gedankliches Verhaftetsein mit dem/der Verstorbene

§ 4. Übermäßige Beschäftigung mit den Umständen des Todesfalles

 

C: seit dem Todesfall tritt an mehr als der Hälfte der Tage mindestens 6 der folgenden Symptome in klinisch bedeutsamen Ausmaß auf (Erwachsene 12 Monate, Kinder 6 Monate):

1. beträchtliche Schwierigkeiten, den Tod zu akzeptieren

2. Unglaube oder emotionale Taubheit über den Verlust

3. Schwierigkeiten, positive Erinnerungen an den Verstorbenen zuzulassen

4. Bitterkeit oder Ärger über den Verlust

5. Dysfunktionale Bewertungen der eigenen Person in Bezug auf den Verstorbenen oder seinen Tod (zb. Selbstvorwürfe)

6. Übermäßiges Vermeiden von Erinnerungen an den Verlust (zb. Vermeidung von Personen, Plätzen oder Situationen, die mit dem Verstorbenen verbunden sind)

 

D: die Symptome verursachen in klinisch bedeutsamer Weise Leiden oder Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen

 

E: die Trauerreaktion ist unverhältnismäßig oder nicht kongruent mit Kulturellen, religiösen oder altersentsprechenden Normen