Panikattacken und Angststörungen

 

Angst ist per se nichts Negatives, im Gegenteil. Angst hat eine schützende Funktion.

Stellen Sie sich vor, Sie wären von jeglichen Angstgefühlen befreit. Wie würden Sie sich in gefährlichen Situationen verhalten? Vorsichtig oder so, als gäbe es keine Gefahr?

 

Prinzipiell kann man davon ausgehen, dass Angst ein erlerntes Verhalten ist.

Es gibt 2 Urängste:

  • die Angst vor großer Höhe und
  • die Angst vor lauten Geräuschen.

Alle anderen Ängste sind mehr oder weniger  "erlernt". Verantwortlich dafür sind die sogenannten Spiegelneurone.

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie spielen mit ihrem Kleinkind im Park mit dem Ball, plötzlich läuft ein großer Hund auf das Kind zu. Was macht das Kind? Es wird zu Ihnen schauen, wie SIE reagieren. Lächeln Sie vor Freude, weil dieser Hund sich vorsichtig Ihrem Kind nähert oder reagieren Sie panisch? Je nachdem, wie SIE reagieren, wird auch Ihr Kind mit Neugier oder mit Angst reagieren.

 

Das heißt in weiterer Folge: wenn Angst ein erlerntes Verhalten ist, muss man sie ja auch wieder "verlernen" können. 

Dazu ist es notwendig, im Gehirn neue und  vor allem positive neuronale Verschaltungen entstehen zu lassen. 

 

Gerade als "Angstpatient" sieht man die Welt schwarz und negativ. Mögliche Gefahren bzw. bei Panikattacken ist es ja eigentlich die Angst vor der Angst, werden gedanklich vorweg genommen und somit wird unser Gehirn darauf trainiert, ängstlich zu reagieren.

 

D.h. in der Behandlung von Ängsten geht es darum, aus dieser Negativspirale auszubrechen.

Hier muss man allerdings unterscheiden: wurde die Angst durch ein Trauma ausgelöst, muss hier traumatherapeutisch gearbeitet werden. Ist die Angst erlernt, geht es darum, im Gehirn neue neuronale Netzwerke zu knüpfen. Hier kommt uns die enorme Neuroplastizität unseres Hirnes zu Gute. Neuronen, welche gemeinsam Signale abfeuern, verbinden sich über Synapsen und je häufiger und intensiver das passiert, umso stärker wird diese "Datenautobahn".  Sind Sie immer im negativen Denken, wird es eine "negative Autobahn" und Ihre Gedanken werden bei dem kleinsten Auslöser wieder auf dieser negativen Bahn unterwegs sein.

 

Wenn Sie selbst an Ängsten leiden, kennen Sie wahrscheinlich diese negative Gedankenspirale:

Sie beobachten an sich, an Ihrem Körper eine Veränderung - sofort spielt Ihr Gehirn alle möglichen (negativen) Situationen durch, womit sich Ihre körperlichen Symptome noch mehr verstärken,  usw. 

 

Hier gibt es einige Methoden, wie Sie selbst diese Gedankenspirale unterbrechen können.

 

Auf lange Sicht gesehen, will Ihnen Ihre Angst oft etwas "mitteilen", dass zb.  in Ihrem Job, in Ihrer Beziehung, in Ihrem sozialen Umfeld etwas schief läuft, wogegen sich Ihr Unterbewusstes wehrt und mit Angst bzw. Panikattacken reagiert.

Da heißt es dann gut hinzuschauen  und mehr von dem zu machen, was Ihnen gut tut, was Ihnen Spass macht und weniger von dem, was Sie krank macht / kränkt. 

 

Wenn ich Sie jetzt fragen würde, "was läuft in Ihrem Leben schief"? könnten Sie mir das sicher wie aus der Pistole beantworten.

Auf die Frage "was macht Ihr Leben so besonders schön" können viele Menschen erst nach längerem Nachdenken antworten. Oft sind wir so in unserer "Problemtrance" gefangen, dass wir die schönen Seite nicht (mehr) sehen können und unser Hirn darauf trainiert ist, sofort alles Negative aufzunehmen - womit sich unser Blick auf die Welt "alles ist schlecht" wieder verstärkt.

 

Ich gebe meinen Klient/Innen oft folgende Aufgabe:

Nehmen Sie sich am Abend 10 - 30 Minuten Zeit. Nehmen Sie ein leeres Notizbuch zur Hand und tragen Sie jede Abend 3 Sätze ein, mit denen Sie beschreiben, was Ihren Tag so besonders schön gemacht hat, bzw. was an diesem Tag Ihr Leben bereichert hat.

 

Einigen fällt es schwer, gleich 3 positive Situationen zu definieren, sie sind dann aber erstaunt, dass es  (fast) jeden Tag mindestens 3 positive Sachen gegeben hat (eine nette Begegnung, eine lächelnde Verkäuferin, ein Schmetterling auf einer Blume,....)

Mit dem Eintragen in dieses Buch können Sie nach wenigen Tagen nachlesen, dass Ihr Leben auch viele positive Seiten hat und somit haben Sie wieder viele positive neuronale Netzwerke in Ihrem Hirn erschaffen.

 

Manchmal kann es auch sein, dass unser Unterbewusstes zu einem Trick greift: wenn wir mit gewissen Situationen überfordert sind, das aber aus bestimmten Gründen nicht ändern können, spielt uns unsere Psyche  einen Streich und reagiert, in dem sie uns krank macht. Sei das eine Depression, Migräne, Panikattacke,.... D.h. die Krankheit ist dann der einzige Ausweg, um dieser unangenehmen Situation aus dem Weg zu gehen.

So gesehen ist zb. eine Panikattacke eine völlig normale und gesunde Schutzreaktion unseres Unterbewussten. 

 

 

Zusammengefasst können folgende Bausteine zu einer positiven Bewältigung herangezogen werden:

  • Veränderung der (krankmachenden) Lebensumstände 
  • Unterbrechung der Negativspirale und
  • Bilden von neuen- positiven - neuronalen Vernetzungen

 

wurden die Ängste durch ein traumatisches Ereignis ausgelöst (und es besteht eine Posttraumatische Belastungsstörung) muss (zusätzlich) mit Methoden der Traumatherapie gearbeitet werden.